Schattenwirtschaft: „Die Untergrundforen sind sehr offen für Neulinge“

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Geschrieben von: Sebastian Badenberg   
Montag, 08. März 2010 um 16:49 Uhr

Wie funktioniert die Schattenwirtschaft? Was wird gehandelt? Die Experten der G Data Security Labs gingen diesen und mehr Fragen nach und klinkten sich über mehrere Monate in illegale Handelsplattformen und E-Crime-Diskussionsforen ein.

Das Ergebnis: Analog zu realen Wirtschaftssystemen arbeitet die Untergrundökonomie in weit verzweigten Produzenten-Netzwerken mit ausgeklügelten Distributionskonzepten und Marketingstrategien. Detaillierte Einblicke in diesen Wirtschaftskreislauf gibt G Data in seinem aktuellen Whitepaper „Underground Economy“. Wir haben mit Ralf Benzmüller (Foto), Leiter G Data SecurityLabs, über die Ergebnisse der Untersuchung gesprochen.

Wie sind Sie auf das ungewöhnliche Thema Schattenwirtschaft gekommen?

Wenn man täglich mit Malware zu tun hat, liegt die Frage nahe, wer diese Massen neuer Schadprogramme produziert und was die Motivation dahinter ist. Diesen Fragen sind wir nachgegangen und dann stößt man zwangsläufig auf die organisierten Strukturen einer Untergrundwirtschaft.

Und wie funktioniert die Schattenwirtschaft?
Die Schattenwirtschaft folgt in den meisten Bereichen den Regeln und Prinzipien legaler Ökonomien. Es gelten die Regeln von Angebot und Nachfrage, Kosten und Nutzen; es gibt Garantien, Rabatte, Preisstaffeln, Bonitätsbewertungen etc. Ein wichtiger Aspekt in der Schattenwirtschaft ist allerdings die Anonymität. Da dort vorwiegend illegale Aktivitäten durchgeführt werden, will keiner der Akteure erkannt werden.

Was wird gehandelt?
Die Palette der Produkte und Dienstleistungen ist umfassend. Im Bereich Spam werden Komplettdienst?leis?tungen angeboten, die Adressenlisten und Verschicken der Spammails umfassen. Die dazu notwendigen Daten werden von Zulieferern gekauft, die ihrerseits Spyware nach Bedarf bei Malwareschreibern erstellen lassen. Andere Malwareautoren sind darauf spezialisiert, mit ständig neuen Exploits Rechner zu infizieren. Auch Zugangsdaten zu Postfächern, Kreditkarteninformationen und Bankzugangsdaten werden gehandelt. Wer ein Konto in einer bestimmten Stadt in einem europäischen oder amerikanischen Land braucht, kann es in einschlägigen Foren für ein paar Dollar erwerben. Auch Dienstleistungen zum Brechen von CAPTCHAs und zur Geldwäsche sind verfügbar.

Wer sind die Akteure und wie kommunizieren die global aufgestellten Netzwerke?
Die Kommunikation erfolgt einerseits in Foren, die mitunter den Umfang und das Aussehen eines Webshops annehmen. Dort wird die „Ware“ ausgestellt. Die Details zum Kauf werden dann per ICQ in persönlichen Chats ausgehandelt. Oberste Priorität hat hier die Anonymität. Käufer und Händler kennen einander i. d. R. nicht.

Wie geht man auf solche Akteure als User zu, wie läuft das Payment, also die Bezahlung?
Die Bezahlung erfolgt ebenfalls anonym per WebMoney oder PaysafeCard.

Was hat Sie bei der Recherche am meisten beeindruckt?
Die Untergrundforen sind sehr offen für Neulinge. Fast jedes Forum enthält auch einen Bereich, in dem die meist jugendlichen Nutzer lernen können, wie man Kreditkartendaten stiehlt und zu Geld macht oder wie man ein erfolgreicher Spammer wird.

 

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